Das Altertheimer Bergwerk von Knauf soll bewilligt werden, zumindest nach einer Stellungnahme der Regierung von Unterfranken. Man sieht kein Risiko für Grund- und Trinkwasser. Neben der Firma Knauf steht man mit dieser Einschätzung ziemlich allein da, wenn man den Einwendungen von zahlreichen Experten folgt, die nicht auf der Gehaltsliste von Knauf stehen.
Doch der Reihe nach. Grundlage des Bewilligungsverfahrens sind Gutachten der Firma Knauf, die belegen sollen, daß Grundwasserschutz und Bergbau miteinander vereinbar sind. Eine Annahme, die deutschlandweit einzigartig ist. Generell gilt, daß Bergbau in Trinkwasserschutzgebieten nicht stattfinden darf.
Und da beginnt die Sache hochpolitisch zu werden. So liegt dem zuständigen Landratsamt Würzburg eine Eingabe zur drastischen Erweiterung eines vorhandenen Schutzgebiets vor, das mit 66 km² das zweitgrößte in Bayern wäre. Das Landratsamt hat dieses Schutzgebiet, das primär die Zeller Quellen und damit fast die Hälfte der Würzburger Einwohner betrifft, bereits als genehmigungsfähig eingestuft. Mit fadenscheinigen Begründungen wird die Genehmigung aber hinausgezögert, da man offensichtlich befürchtet, in einen Rechtsstreit mit Knauf verwickelt zu werden. Einmal sieht man das Bergwerk „unter strengen Auflagen“ für möglich, andererseits fürchtet man juristische Auseinandersetzungen mit Knauf. Da kann sich jeder ausmalen, wie das mit den „strengen Auflagen“ laufen wird.
In den Stellungnahmen der kritischen Gutachter geht es vor allem um die Tatsache, daß das geplante Bergwerk unmittelbar unter den grundwasserführenden Schichten verlaufen soll, auf einer Fläche von über 7,1 Quadratkilometern. Bei 19 getätigten Grundwasserbohrungen, die mehrere hundert Meter voneinander liegen, sind das „Bleistiftinformationen“. Von diesen einzelnen Bohrpunkten kann keinesfalls auf die gesamte Fläche des Bergwerks geschlossen werden, selbst wenn man 75 Explorationsbohrungen aus früheren Jahren hinzunimmt. Störungen, Brüche, Hohlräume und Verschiebungen im Gestein können so nicht erfaßt werden. Geophysikalische Erwägungen wurden von DMT, dem von Knauf beauftragten Institut, aber nicht vorangestellt.
Weitere Kritikpunkte sind der Schwerlastverkehr, der bis 2037 um 344 Prozent anwachsen wird. Die vorhandenen Straßen sind selbstredend für die Aufnahme dieser Verkehrsbelastung nicht ausgelegt. So wird es zwangsläufig zu einem massiven Ausbau kommen und entsprechenden Eingriffen in die Natur. Notwendige Sprengungen sollen Tag und Nacht durchgeführt werden. Angeblich sind nächtliche Sprengungen nur in einem Radius von 1 km zu hören. Alle Probleme werden klein geredet, um das Projekt unbedingt gegen jede Vernunft durchzudrücken. Von daher sind auch hier Zweifel erlaubt.
Nachdem sich die Landesregierung für das Knauf-Bergwerk ausgesprochen hat, kann man davon ausgehen, daß nun die Kette nach unten auf Linie gebracht ist. Landrat Eberth (CSU) ist natürlich auch dafür, desgleichen die lokalen CSU-Größen. Das Wasserwirtschaftsamt hat schon lange seine Zustimmung signalisiert. Das DMT-Gutachten sei plausibel, aber natürlich bleibt ein „Restrisiko“, wie bei jedem Großvorhaben. Die kluge Frau baut vor. (Die Behördenleiterin ist weiblich). Bleiben nur noch die Regierungen von Unterfranken und Oberfranken. Im ersten Fall siehe oben. Bei der Regierung von Oberfranken ist das zuständige Bergbauamt angesiedelt und man darf wohl erwarten, daß bei den Entscheidungsträgern auch das Parteibuch stimmt.
So haben wir wieder einmal die Situation, daß offensichtlich wirtschaftliche Erwägungen, nämlich Gewerbesteuereinnahmen und die Sicherung von Arbeitsplätzen, Vorrang vor Umweltbelangen haben. Trinkwasserschutz ist für bestimmte Politiker offensichtlich zweitrangig.
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